Bücher Lifestyle

Bauhaus Reisebuch – Die etwas andere Rezension

26. Juli 2017

Bauhaus Reisebuch

BauhausBerlin Dessau Weimar

Bauhaus – Faszination, Zeitgeist & Geschichte.

BauhausDer Bauhausstil ist schlicht und zeitlos – schon immer gefielen mir die schnörkellosen Bauten. Seit ich in Berlin lebe, habe ich aber viel mehr Kontakt zu dieser Form der Architektur als noch in meiner Heimatstadt München. An was das liegt? Man kann es ganz einfach mit einer Googlesuche herausfinden. Tippe ich Bauhaus in Kombination mit München in die Suchzeile ein und klicke auf Bilder, sehe ich Seitenweise Baumärkte. Bauhaus gepaart mit Berlin erscheinen in der Bildersuche zahlreiche Gebäude und Verlinkungen zu Möbeln, der Baumarkt hingegen spielt eine kleine Nebenrolle.

Da ich aber nur ein Augentierchen bin und von der Materie nur mäßig viel Ahnung habe, habe ich das Buch meiner Schwiegermutter gegeben und hier ist ihre Rezension zu dem ganz neu erschienenen Buch. Der Klappentext liest sich ja schon etwas holprig, ich bin gespannt ob es so gestochen in dem Buch weiter geht.

Trotz des baldigen 100-jährigen Gründungsjubiläums der legendären Hochschule für Gestaltung ist das Bauhaus bis heute höchst lebendig und aktuell. Der Qualitätsbegriff steht ungebrochen für formschöne und fortschrittliche Architektur, Kunst und Designobjekte. Gleichzeitig waren die nur 14 Jahre seines Bestehens (1919–1933) eine politisch und wirtschaftlich turbulente Zeit: Unmittelbar nach dem Schock des Ersten Weltkrieges gegründet, gefeiert während der aufstrebenden Zwanzigerjahre, um schließlich im Chaos der Weltwirtschaftskrise und der Repression durch die Nazis ein abruptes Ende zu finden. Dieses reich bebilderte Buch stellt alle Plätze vor, an denen sich Spuren der historischen Bewegung finden lassen. Die Reise führt über Weimar und Dessau nach Berlin und stellt die bekannten architektonischen Arbeiten sowie die musealen Sammlungen in diesen Städten mit historischen und aktuellen Fotos vor. Auch bislang weniger beachtete Bauten werden erwähnt, etwa die Kirche in Gelmeroda, die den Maler Lyonel Feininger inspirierte. Dieses kluge Reise- und Architekturbuch lädt dazu ein, das Bauhaus heute zu entdecken.

Bauhaus

Zusammenfassung Bauhaus Reisebuch:

Das nun schon in zweiter Auflage aktualisierte, bei Prestel herausgegebene Bauhaus Reisebuch ist eine Fundgrube für alle Interessierten. In anspruchsvoller und gleichzeitig verständlicher Sprache werden nicht nur die Ikonen des Bauhauses und ihre Schöpfer vorgestellt, sondern auch die großen historischen politischen und sozialen Zusammenhänge seiner Entstehung. Auch die wechselvolle Entwicklung sowie der ganzheitliche Anspruch seiner geistigen Träger werden transparent gemacht. Darüber hinaus erfährt man viele wichtige Details zu den einzelnen Projekten und Personen, aber auch einige Nebensächlichkeiten von der Art, die das Leben so interessant machen und die für einen hohen Unterhaltungswert sorgen.

Für die drei Stationen des Bauhauses Weimar, Dessau und Berlin werden die heute existierenden musealen Einrichtungen in Sachen Bauhaus als erste Anlaufpunkte für den Besucher umfassend dargestellt. Daneben aber wird eine Vielzahl architektonischer Objekte von der Großsiedlung bis zum Einfamilienhaus, von der Industriehalle bis zur Fabrikantenvilla vorgestellt und dabei sehr schön illustriert mit aktuellen Fotos und älteren Aufnahmen. Ergänzt um Schnappschüsse, die das Leben der Studenten und Lehrer in der Hochzeit des Bauhauses veranschaulichen. Für Weimar und Dessau wird dieser architektonische Bestand geradezu flächendeckend erfasst.

Sehr willkommen ist hierbei die Verortung auch der kleineren Objekte außerhalb der Zentren auf winzigen Lageplänen, und besonders „kundenfreundlich“ ist die Wegbeschreibung der Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Hilfreich wäre noch, wenn auf den Lageplänen die relevanten Haltestellen zur besseren Orientierung vor Ort eingetragen wären!

 

BauhausBauhaus in Berlin

Beim Berliner Teil wurde offenbar nach der Devise „Weniger ist mehr“ vorgegangen, man vermisst doch so einige Objekte. Wenn schon die Gehag erwähnt wird, enttäuscht es den Lokalpatrioten, dass weder ihre berühmte Hufeisensiedlung in Wilmersdorf noch ihre Weißenseer Taut Siedlung in der Buschallee (sehr in der Nähe der Villa Lemke) Erwähnung finden.

Auch die Max-Taut-Schule in Lichtenberg (ein wirklich imposanter Bau) sucht man vergeblich. In der ausführlichen Beschreibung der Gewerkschaftsschule Bernau und der Einpassung der Gebäude in die Topografie fehlt der diesbezügliche Hinweis auf die Lehrerhäuser – die so geschickt an einen kleinen Hang gebaut sind, dass man sie von vorne kaum wahrnimmt. Und bei der Erwähnung der Berliner Großsiedlungen, die zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt wurden, wäre es schön, wenn man lesen könnte, welche denn nun noch dazugehören.

Kritik und Verbesserungsvorschläge:

Angesichts der bereits jetzt erreichten Stärke des Reise-Büchleins sollte man aber vielleicht nicht sagen, dass es Wünsche offen lässt, sondern dass es Wünsche weckt! Was kann man Besseres über ein Buch sagen!? Zum Beispiel den Wunsch nach einer möglichst vollständigen Liste aller mit dem Bauhaus im Zusammenhang stehenden historischen Architekturdenkmäler bzw. Objekte in und um Berlin. Oder sogar einer Liste aller Objekte in der Bundesrepublik – gegliedert nach Städten. Dass jemand, der zum Beispiel Luckenwalde besucht, sich vor der Reise kurz darüber informieren kann, dass es dort ein einschlägiges Krankenhaus sowie ein Theater im „Bauhausstil“ gibt. Oder eine interessante Tabak- und Zigarettenfabrik in Schwedt…

Umgekehrt könnte man schauen, ob dieses oder jenes Gebäude vielleicht auch ein Bauhausprodukt ist oder zumindest mit dem Bauhaus zu tun hat. Beispielsweise das Berliner Milchhäuschen am Weißen See, es erinnert ein wenig an das Dessauer Kornhaus. Die Internetpräsentationen der Städte sind in dieser Hinsicht meist weniger ergiebig. Hier dominieren die Dome, wie der Name schon sagt, jedenfalls meist die älteren Kulturdenkmale.

Nicht leicht, das Reisebuch!

Diese Liste könnte ja im Internet veröffentlicht und ständig vervollständigt werden, ein schönes Projekt für Architekturstudenten. Oder gibt es so etwas vielleicht schon? Dann gehört in das Reisebuch auf jeden Fall ein Hinweis dazu mit Internet-Adresse. Jeder könnte sich dann die entsprechenden Blätter selber ausdrucken und mit auf seine Reise nehmen. Apropos: Als Reisebuch ist der Band mit 615 Gramm schon recht gewichtig. Vielleicht könnte man es in der nächsten Auflage in drei Teilen binden und im Schuber liefern, das würde seine Handhabung unterwegs bedeutend erleichtern. Die Lagepläne würden bei den Straßennamen auch problemlos eine größere Schrifttype vertragen, um die Lesbarkeit in Bus oder Bahn und an zugigen Straßenecken zu verbessern.

BauhausBerlin, Weimar und Dessau

Noch ein Wort zum Berliner Teil. Die dort eingangs aufgeworfenen Frage ob denn Berlin eine Bauhausstadt sei, wird am Schluss dieses Teils nach meinem Empfinden nicht ganz fair einer Antwort zugeführt. Man solle in der Großsiedlung Gropiusstadt die mit Bierflaschen in der Hand vor den Gropius-Passagen verweilenden Einwohner fragen, ob sie das Bauhaus kennen…. Ja, sicher würde man den Weg zur nächsten Filiale der gleichnamigen Baumarktkette beschrieben bekommen.

Aber dann frage man doch mal einen Weimarer, ob Weimar eine Bauhausstadt ist, und wenn man nicht gerade einen Studenten der Bauhaus-Universität erwischt, wird man wohl eher zu hören bekommen, dass Weimar eine Goethe-Stadt ist, was heißt eine: Die Goethe-Stadt, Punktum.

Als Bauhausstadt wird sich wohl am ehesten noch Dessau verstehen, einfach weil es dort nicht ganz so viel anderes Bedeutendes gibt wie eben in Weimar oder Berlin. Vom architektonischen Gesamteindruck her kann man wohl keine der drei Städte als Bauhausstadt bezeichnen, so wie das vielleicht für Tel-Aviv passen würde.

Der „Bauhausstil“

Um noch einmal auf den umstrittenen Begriff des „Bauhausstils“ zurückzukommen. Das richtig gute und fundierte Bauhaus-Reisebuch unterlässt es nicht, ebenso eifrig wie erfolglos zu betonen, dass es den „Bauhausstil“ gar nicht gibt. Eifrig deshalb, weil es stimmt. Erfolglos deshalb, weil sich dieser Begriff entgegen allem wissenschaftlichem Eifer im Bewusstsein so ziemlich aller Schichten, auch dem der Bierflaschenträger, gewissermaßen „demokratisch“ festgesetzt hat und jeder damit ein (mehr oder weniger) klare Vorstellung verbindet, die letzten Endes vielleicht auch gar nicht mal so falsch ist.

 

BauhausFazit Bauhaus Reisebuch:

Wenn man jetzt keine Ahnung hat, um was es in diesem Buch geht, dann kann ich auch nicht mehr helfen – ich möchte mich aber herzlichst bei meiner Schwiegermutter bedanken. Für jeden der sich nun auf den Bauhaus-Trip begeben will um sich ein eigenes Bild machen zu können,  das Buch kostet bei amazon momentan 19,95 Euro und kann hier gekauft werden.

Wäre so ein Fachbuch etwas für euch?Bauhaus

Das könnte dir auch gefallen

1 Kommentar

  • Antworten Lenchens Testereiwahnsinn 11. August 2017 um 9:13

    Diese Büchlein könnte auch mir gefallen – aber 20 EUR würde ich aktuell nicht dafür ausgeben. Aber TOP berichtet! ☺

    ♥liche Grüße – Lenchen

  • Was meinst du? :-)